Eine Kampagne des
Landesjugendringes Rheinland-Pfalz

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für Jugendliche
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Politiker*innen

Ergebnisse

Wichtigste Erkenntnisse der „dorf-test“-Befragung 2018 des Landesjugendringes Rheinland-Pfalz

 

Was ist der „dorf-test“?

Die Befragung „dorf-test“ wurde vom 18. Oktober bis zum 31. Dezember 2018 in Rheinland-Pfalz durchgeführt und richtete sich an alle Jugendlichen im Alter von 13 bis 23 Jahren, sowie Politiker*innen und Kandidat*innen für politische Ämter zur Kommunalwahl 2019. Sie erfolgte vorwiegend digital, die Einsendung schriftlich ausgefüllter Fragebogen war möglich.

Konzipiert und begleitet wurde das Projekt durch eine Arbeitsgruppe Interessierter aus den Mitgliedsverbänden des Landesjugendringes sowie des Vorstandes.

Kooperationspartner*innen waren das Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, der RheinAhr Campus Hochschule Koblenz, die Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, die Landesschüler*innenvertretung Rheinland-Pfalz, medien.rlp – Institut für Medien und Pädagogik, der Dachverband der kommunalen Jugendvertretungen Rheinland-Pfalz und die Evangelische Landjugendakademie Altenkirchen.

Beworben wurde die Befragung digital und mit Poster, Postkarten und Aufkleber über den Landesjugendring und seine Mitgliedsverbände, die Kooperationspartner*innen des Projektes, über die rheinland-pfälzischen Gemeinden, die Jugendpflegen und im sozialen Netzwerk Facebook. Für das Soziale Netzwerk Instagram wurde eine eigenständige, plattformgerechte Kampagne durchgeführt.

Die Auswertung erfolgte über das Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz gGmbH (ism).

 

Was sollte man noch wissen?

Im Frühjahr 2009 wurde vom Landesjugendring Rheinland-Pfalz schon einmal eine ähnliche Befragung durchgeführt. Durch die Orientierung am damaligen Fragebogen bei der der Entwicklung der aktuellen Fragebögen können bei manchen Ergebnissen Vergleichszahlen herangezogen werden. 2009 wurden ausschließlich Jugendliche befragt. Die befragten Jugendlichen waren zum Zeitpunkt der Befragung 2009 zwischen 13 und 21 Jahre alt (Erstwähler*innen). 2018 wurden ebenfalls die potentiellen Erstwähler*innen befragt – in diesem Fall also Jugendliche zwischen 13 und 23 Jahren.

Da die Befragung kurz vor der Kommunalwahl 2019 durchgeführt wurde, haben wir erstmals auch Personen befragt, die bereits ein Mandat inne hatten und Kandidat*innen, die noch kein Mandat inne hatten, aber bei der Kommunalwahl 2019 kandidieren würden. Um die Lesbarkeit zu erleichtern, nutzen wir den Begriff „Politiker*innen“.

Bei zu geringen Fallzahlen, wie beispielsweise bei dem Geschlecht „divers“, einigen Schulformen und einigen Parteien wird aufgrund von Datenschutz und fehlender Aussagekraft keine Auswertungen vorgenommen.

Als „Stadt“/„städtisch“ haben wir Städte mit mehr als 50.0000 Einwohner*innen definiert, als „Land“/„ländlich“ Städte und Gemeinden mit weniger als 50.000 Einwohner*innen.

Es wurden Zusammenhangsauswertungen hinsichtlich des Geschlechtes und nach Stadt/Land durchgeführt. Auf diese wird jedoch nur eingegangen wenn die Unterschiede statistische Signifikanz aufweisen.

Zugunsten der Übersichtlichkeit verzichten wir auf die detaillierte Beschriftung von Grafiken und Tabellen im Text. Die konkreten Frage- und Antwortformulierungen für Jugendliche und Politiker*innen sind in den Fragebögen am Ende dieser Broschüre oder auf www.dorf-test.de zu finden.

 

Wer hat teilgenommen?

 

Jugendliche

Nach der Datenbereinigung konnten 2.137 Antwortbögen ausgewertet werden.

55 Prozent der Teilnehmenden sind weiblich, 44 Prozent männlich, ein Prozent divers. Weibliche Jugendliche sind leicht überrepräsentiert. Aufgrund der geringen Fallzahl (Aussagekraft und Datenschutz) wird die Ausprägung „divers“ bei den Berechnungen nicht berücksichtigt.

Es sind Jugendliche aller Altersgruppen vertreten. Die am stärksten vertretenen Geburtsjahrgänge sind die im Erhebungsjahr 16-, 17- und 18-Jährigen.

Mit 41 Prozent sind Schüler*innen des Gymnasiums die am häufigsten vertretene Gruppe, gefolgt von Schüler*innen der Integrierten Gesamtschule (15 Prozent), der Realschule plus (13 Prozent), der Hochschule (13 Prozent) und der Berufsbildenden Schule/Ausbildung (zehn Prozent). Betrachtet man nur die allgemeinbildenden Schulen (Vergleichszahlen des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz für das Schuljahr 2017/2018), so ist festzustellen, dass an der Befragung überdurchschnittlich viele Schüler*innen des Gymnasiums und der Integrierten Gesamtschule teilgenommen haben und unterdurchschnittlich viele Schüler*innen der Realschule plus, der Förderschule und sonstiger weiterführender Schularten.

Es haben Jugendliche aus allen Ecken des Landes teilgenommen. 84 Prozent der befragten Jugendlichen leben in Ortschaften, die weniger als 50.000 Einwohner*innen haben, 16 Prozent in Städten mit mehr als 50.000 Einwohner*innen. Damit ist der Anteil Jugendlicher aus Städten etwas höher als 2009, damals waren es 13 Prozent. Der Anteil weiblicher Teilnehmenden ist sowohl auf dem Land als auch in der Stadt höher als der männlicher.

 

Politiker*innen

Nach der Datenbereinigung konnten 338 Antwortbögen in die Auswertung einbezogen werden.

73 Prozent der teilnehmenden Politiker*innen sind männlich, 26 Prozent weiblich, ein Prozent divers. Im Unterschied zu den Jugendlichen, sind Männer bei den Politiker*innen deutlich überrepräsentiert. Aufgrund der geringen Fallzahl (Aussagekraft und Datenschutz) wird die Ausprägung „divers“ bei den Berechnungen nicht berücksichtigt.

70 Prozent der befragten Politiker*innen haben bereits ein politisches Mandat inne.

Laut Paritätsbericht der rheinland-pfälzischen Landesregierung sind Frauen seit der Kommunalwahl 2014 mit 18,7 Prozent in den Kommunalparlamenten vertreten. Bei Betrachtung der Politikerinnen, die bereits ein Mandat inne haben, liegt der Anteil der Politikerinnen in unserer Befragung mit 19,3 Prozent leicht über dem Landesdurchschnitt in der Kommunalpolitik. Von den männlichen Politkern haben die meisten bereits ein Mandat inne, von den Politikerinnen ungefähr die Hälfte.

Vertreter*innen der Parteien SPD und CDU sind mit jeweils um die 25 Prozent am stärksten vertreten, die FWG mit elf Prozent und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit zehn Prozent. Die Weiteren (AfD, FDP, Die Linke) liegen unter fünf Prozent oder fallen unter die Antwortrubrik „Sonstige“.

 

Ergebnisse

 

Wo treffen sich Jugendliche in der Freizeit?  

 

Jugendzentren, -treffs, -cafés

Bekanntheit

62 Prozent der Jugendlichen kennen einen Jugendtreffpunkt (z.B. Jugendzentrum, Jugendtreff, Jugendcafé) bei sich im Ort. Die Bekanntheit in Stadt und Land unterscheidet sich kaum. Männliche Jugendliche kennen eher Jugendtreffpunkte als weibliche.

Im Jahr 2009 kannten es 70 Prozent. Ob sich die Anzahl der Treffpunkte verringert hat oder die Bekanntheit dieser abgenommen hat, geht aus unserer Befragung nicht hervor.

Von den Politiker*innen kennen 75 Prozent einen Jugendtreffpunkt. Die Bekanntheit ist somit bei Politiker*innen höher als bei den Jugendlichen. Da Jugendtreffpunkte zur öffentlichen Daseinsvorsorge zählen ist davon auszugehen, dass Politiker*innen diese kennen. Dies lässt den Schluss zu, dass es in vielen Orten keine Jugendtreffpunkte gibt. Der Unterschied in der Bekanntheit von Jugendlichen und Politiker*innen deutet darauf hin, dass Jugendtreffs, selbst wenn es welche gibt, diese nicht immer bei den Jugendlichen bekannt sind.

Besuch

Von den Jugendlichen, die einen Jugendtreffpunkt kennen, besuchen ihn 38 Prozent. Das sind allerdings nur 24 Prozent der insgesamt befragten Jugendlichen. Von den Jugendlichen die einen Treff nutzen, besuchten ihn über die Hälfte „öfter“ oder „sehr oft“. Das Nutzungsverhalten in Stadt und Land unterscheidet sich nicht wesentlich, ebenso wenig das von männlichen und weiblichen Jugendlichen.

Politiker*innen schätzten die Besuchsfrequenz der Jugendlichen mit 66 Prozent („öfter“ oder „sehr oft“) höher ein als von den Jugendlichen angegeben. Vielleicht überschätzen sie die Attraktivität des Angebotes?

Altersstruktur

Die am stärksten vertretene Altersgruppe im Jugendtreff ist laut Befragung die zwischen 13 und 15 Jahren. Mit fortschreitendem Alter besuchen Jugendliche Jugendtreffpunkte tendenziell seltener. Junge Menschen, die das Gymnasium oder eine Hochschule besuchen, nutzen Jugendtreffpunkte seltener als andere Jugendliche. Dies kann allerdings mit dem allgemein höheren Altersschnitt an diesen Schularten zusammenhängen.

Ein signifikanter Unterschied zwischen den Geschlechtern ist dabei nicht nachzuweisen.

 

Jugendverbände, -gruppen, -initiativen

Aktivität

Aktiv in einem oder mehreren Vereinen, Jugendgruppen, Jugendverbänden, Jugendinitiativen sind 69 Prozent der Befragten. Im ländlichen Raum sind es mit 70 Prozent minimal mehr. Auf dem Land ist der Anteil derjenigen Jugendlichen, die in mehr als einem Verein/Verband aktiv sind mit 33 Prozent deutlich höher als in der Stadt (27 Prozent). Männliche Jugendliche sind mit 72 Prozent etwas häufiger in einem oder mehreren Verbänden aktiv als weibliche Jugendliche mit 67 Prozent.

2009 waren mit 64 Prozent weniger der Befragten in einem oder mehreren Vereinen, Jugendgruppen, -verbänden oder –initiativen aktiv. Dies kann entweder bedeuten, dass inzwischen mehr Jugendliche aktiv sind als damals oder dass mehr Aktive an unserer Befragung teilgenommen haben.

92 Prozent der Politiker*innen kannten Jugendverbände, -gruppen, -initiativen in ihrem Ort. Das kann daran liegen, dass es entweder keine Jugendverbände, -gruppen, -initiativen gibt, oder diese den Politiker*innen nicht bekannt sind.

Besuch

Vergleich zu Jugendtreffs werden Jugendverbände, -gruppen, -initiativen insgesamt häufiger besucht und auch „sehr oft“ (44 Prozent). Dies ist womöglich durch den verbindlicheren und regelmäßigeren Charakter von Vereins- und Verbandsangeboten zu erklären, wie beispielsweise wöchentliche Gruppentreffen.

Politiker*innen schätzten, dass Jugendlichen die Vereine, Jugendgruppen, Jugendverbände, Jugendinitiativen mit 35 Prozent „sehr oft“ besucht werden. Der Anteil der befragten Jugendlichen die den Verein/Verband „sehr oft“ besuchten ist also deutlich höher, als von den Politiker*innen vermutet, sie unterschätzen dies also.

Altersstruktur und Übernahme von Verantwortung

Eine Abnahme des Besuchs mit zunehmendem Alter zeigte sich nicht, wohl aber ein Anstieg der Übernahme von Aufgaben, wie Aufsicht, Betreuung, Trainingsleitung, Gruppenleitung oder Thekendienst, je älter die Jugendlichen wurden. Vereine, Jugendgruppen, Jugendverbände, Jugendinitiativen fördern erkennbar das Verantwortungsbewusstsein.

Befrage der Gymnasien und in Ausbildung/Berufsschule sind besonders häufig in einem oder mehreren Vereinen aktiv, Befragte der Realschule Plus am Häufigsten in keinem.

 

Orte im öffentlichen Raum

70 Prozent der Jugendlichen haben Orte „draußen“, an denen sie sich treffen, um ihre Freizeit zu verbringen. Auf dem Land sind es mit 68 Prozent weniger als im Landesdurchschnitt, in der Stadt mit 79 Prozent mehr. Männliche Jugendliche halten sich etwas häufiger „draußen“ auf (74 Prozent), um sich mit Freunden zu treffen als weibliche (67 Prozent). Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren nutzten eher weniger Orte, die sich „draußen“ befinden.

Die Politiker*innen schätzten die Häufigkeit mit der Jugendliche Orte „draußen“ haben mit 62 Prozent geringer ein.

 

Wie bewerten Jugendliche den ÖPNV?

Nutzung

Knapp die Hälfte der Jugendlichen gibt an, öffentliche Verkehrsmittel in und um ihren Wohnort „öfter“ und „sehr oft“ zu benutzen. Dies schätzten die Politiker*innen ähnlich ein.

Qualität

2009 bewerteten die Jugendlichen die öffentlichen Verkehrsmittel zu 60 Prozent positiv, zu 40 Prozent negativ. 2018 bewerten nur noch 45 Prozent das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln positiv („sehr gut“, „gut“ und „befriedigend“) und 55 Prozent negativ („ausreichend“, „mangelhaft“ und „ungenügend“). Hier ist eine deutliche Verschlechterung erkennbar. Mit einem Mittelwert von 3,72 auf einer Skala von 1 („sehr gut“) bis 6 („ungenügend“) beurteilen Jugendliche das Angebot durchschnittlich als „ausreichend“.

Die öffentlichen Verkehrsmittel werden öfter von Jugendlichen in der Stadt genutzt und auch deutlich besser bewertet. Der Mittelwert in der Stadt beträgt 2,76, der auf dem Land 3,91. Die 13- bis 15-Jährigen zeigen sich noch am ehesten mit dem Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln zufrieden. Männliche Jugendliche bewerten die Angebote leicht positiver als weibliche.

Die Politiker*innen schätzen, dass Jugendliche die öffentlichen Verkehrsmittel schlechter bewerten würden. Sie kommen auf einen Mittelwert von 4,1. Politiker*innen, welche ein Mandat inne haben, schätzen, dass Jugendliche das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln besser bewerten würden als Politiker*innen ohne Mandat.

Diejenigen Jugendlichen, die das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln mit mangelhaft oder ungenügend bewerteten, nennen als Gründe vorwiegend die ungünstigen Zeiten, dass sie ihre Ziele mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichen und den Preis. Diese Gründe werden auch von den Politiker*innen genannt, allerdings in anderer Reihenfolge. Jugendliche und Politiker*innen sehen offenbar Verbesserungsbedarf.

 

Wie möchten Jugendliche sich beteiligen?

 

Beteiligung in der Kommune

Über die Hälfte der Jugendlichen findet es „sehr wichtig“, dass Kinder und Jugendliche bei sich im Ort mitbestimmen können. Rechnet man „sehr wichtig“ und „eher wichtig“ zusammen, sind es 87 Prozent (2009 war das mit 88 Prozent ähnlich). Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind gering. Weibliche Jugendlichen finden Mitbestimmung bei sich im Ort etwas wichtiger als männliche.

Von den Politiker*innen finden es sogar knapp 60 Prozent „sehr wichtig“ und kumuliert mit „eher wichtig“ 95,2 Prozent.

Die Aussage, dass die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen im eigenen Ort wichtig sei, ist mit zunehmendem Alter der Jugendlichen häufiger verbreitet. Jugendlichen, die selbst Aufgaben in einem Jugendverein, -initiative, -gruppe übernehmen ist die Beteiligungsmöglichkeit im Ort besonders wichtig. Diese Zusammenhänge waren auch bei der 2009er-Befragung ähnlich.

Vorhandene Möglichkeiten der Mitbestimmung

Nur 27 Prozent der Jugendlichen kennen die Frage nach Möglichkeiten zur Mitbestimmung bei sich vor Ort bejahen, bei den Politiker*innen waren es 31 Prozent. Dies lässt den Schluss zu, dass es in den meisten Kommunen keine Beteiligungsmöglichkeiten gibt. Ein deutlicher Stadt-/Land-Unterschied ist bemerkbar. Auf dem Land kennen nur 23 Prozent der Jugendlichen Mitbestimmungsmöglichkeiten, in der Stadt sind es 45 Prozent.

Politiker*innen, welche ein Mandat inne haben, haben eher Kenntnisse über Möglichkeiten zur Mitbestimmung von Kinder und Jugendliche als Politiker*innen ohne Mandat.

Gibt es Orte der Mitbestimmung bzw. sind diese bekannt, werden Mitbestimmungsmöglichkeiten von Jugendlichen als deutlich wichtiger gewertet als wenn keine Orte der Mitbestimmung vorhanden oder bekannt sind. Wenn Orte der Mitbestimmung bekannt sind, wird der Ort von den Jugendlichen insgesamt als jugendfreundlicher wahrgenommen.

Qualität

Die Jugendlichen, denen Orte zur Mitbestimmung bekannt sind, bewerteten diese auf einer Skala von 1 („sehr gut“) bis 6 („ungenügend“) mit durchschnittlich 2,55, also gut bis befriedigend. Die Politiker*innen bewerteten sie mit einem Mittelwert von 2,39 etwas positiver. 2009 fielen die Bewertungen mehrheitlich negativ aus. Wenn die Einschätzung in der Stadt auch leicht positiver ausfiel so besteht dennoch kein signifikanter Unterschied, ob die Jugendlichen in der Stadt oder auf dem Land leben. Weiblichen Jugendlichen sind Mitbestimmungsmöglichkeiten wichtiger als männlichen.

„Auf jeden Fall“ waren 28 Prozent der Jugendlichen bereit sich in ihrem Ort zu engagieren, 56 Prozent würden sich eher zu speziellen Themen einbringen. Zusammen wären also 84 Prozent der befragten Jugendlichen für Beteiligung zu gewinnen (2009 waren es nur 6 Prozent). 13 Prozent der Jugendlichen die „Eher nicht“ angekreuzt haben, wären eventuell noch zu gewinnen, da sie sich noch nicht klar dagegen entschieden hatten.

Politiker*innen gingen nur zu 71 Prozent davon aus, dass Jugendliche bereit seien, sich in ihrem Ort zu engagieren.

Es zeigt sich, dass junge Menschen, die in einem oder mehreren Jugendverbänden, -initiativen, -gruppen waren, eine deutlich höhere Bereitschaft zeigten, sich für ihren Ort zu engagieren. Wenn Möglichkeiten der Mitbestimmung bekannt waren, zeigten sich die Jugendlichen häufiger bereit „auf jeden Fall“ in ihrem Ort zu engagieren. Jugendliche aus ländlichen Regionen waren eher bereit sich zu engagieren als Jugendliche aus der Stadt. Während die männlichen Jugendlichen eine Bereitschaft zu Engagement eher bejahten oder verneinten, machten weibliche Jugendliche dies stärker von der jeweiligen Form und Art der Beteiligung abhängig. Jugendliche, die keine Orte zur Mitbestimmung vor Ort kannten, gaben häufiger an, sich nicht vor Ort engagieren zu wollen.

Auf die Frage, wie die Beteiligung vor Ort verbessert werden könnte, antworteten 61 Prozent der Jugendlichen „Mitgestaltung konkreter Projekte vor Ort“ und 56 Prozent „Regelmäßige Befragung Jugendlicher“. Politiker*innen gingen auch vom Wunsch nach „Mitgestaltung konkreter Projekte vor Ort“, mit dem höheren Wert von 80 Prozent, und mit 53 Prozent von „Offene Treffen mit Politiker*innen oder Bürgermeister*in“ aus. Bei der offenen Antwortmöglichkeit wurde von den Jugendlichen wiederholt der Wunsch nach Interesse für die Belange Jugendlicher, Respekt und „ernst genommen werden“ geäußert.

Jugendausschüsse, -parlamente und –foren hielten nur 35 Prozent der Jugendlichen für geeignet, die Beteiligung von Jugendlichen im Ort zu verbessern. Bei den Politiker*innen waren es 40 Prozent.

 

Wahlalter

44 Prozent der Jugendlichen fänden besser, wenn sie mit 16 Jahren wählen dürften bzw. hätten wählen dürfen, 6 Prozent sogar bereits mit 14 Jahren, gemeinsam also 51 Prozent. Auf Nachfrage sprachen sich 44 Prozent der Befürwortenden des Wahlalters 18 für ein Wahlalter von 16 Jahren aus, wenn Jugendliche im Vorfeld besser vorbereitet würden. Addiert man diejenigen, die von Anfang an ein niedrigeres Wahlalter befürwortet hatten mit denjenigen, die es sich bei besserer Vorbereitung vorstellen könnten erhält man 72 Prozent der befragten Jugendlichen die sich eine Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre vorstellen können. 28 Prozent wünschen sich weiterhin das Wahlalter 18.

2009 sprachen sich 29 Prozent für ein Wahlalter mit 16 Jahren aus, für ein Wahlalter mit 14 Jahren 13 Prozent, gemeinsam also 42 Prozent. Dies war deutlich weniger als bei der neuen 2018er-Befragung.

Die Politiker*innen vermuteten zu 58 Prozent, dass Jugendliche gerne das Wahlalter auf 16 oder 14 senken würden. Unter der Prämisse der besseren Vorbereitung konnten es sich 42 Prozent derer vorstellen, die vorher „weiterhin mit 18“ angegeben hatten. Insgesamt wären das somit 76 Prozent der befragten Politiker*innen, die vermuteten, dass sich Jugendliche bei besserer Vorbereitung ein niedrigeres Wahlalter wünschen würden.

Jugendliche im Alter zwischen 13 und 15 Jahren wünschten sich eher bereits mit 14 Jahren (16,6 Prozent) und mit 16 Jahren (48 Prozent) wählen zu dürfen, insgesamt 65 Prozent. Jugendliche zwischen 16 und 17 Jahren wünschen sich zu zwei Prozent das Wahlalter 14, zu 50 Prozent das Wahlalter 16, zusammen also 51 Prozent. Hingegen favorisieren ältere Jugendliche, insbesondere ab 18 Jahren, weiterhin mit 18 Jahren wählen zu dürfen. Dies war bei der 2009er-Befragung bereits ähnlich zu beobachten. Bei besserer Vorbereitung konnte sich die Gruppe der 16 und 17-Jährigen das Wahlalter 16 besonders gut vorstellen. Jugendliche aus städtischen Regionen befürworteten eher ein früheres Wahlalter als Jugendliche aus ländlichen Regionen.

Politiker*innen, welche ein politisches Mandat inne hatten, vermuteten eher, dass Jugendliche bereits mit 16 Jahren wählen wollen würden. Politiker*innen der CDU und der FWG vermuten häufiger, dass Jugendliche es besser fänden, weiterhin erst mit 18 Jahren wählen zu können als Politiker*innen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen.

 

Weitere Ergebnisse

 

Ausbildungs-/Arbeitsplatz

Von den Teilnehmenden der Befragung 2018 würden gerne 43 Prozent der Jugendlichen einen Ausbildungs-/Arbeitsplatz an ihrem Wohnort finden, 57 Prozent an einem anderen Ort.

Die Politiker*innen gingen davon aus, dass mehr Jugendliche an ihrem Wohnort bleiben möchten. Zu 51 Prozent gingen sie davon aus, dass Jugendliche an ihrem Wohnort einen Ausbildungs-/Arbeitsplatz finden möchten, zu 49 Prozent, dass außerhalb. Dieser Unterschied könnte allerdings in den unterschiedlichen Altersspannen in denen die Befragungen durchgeführt wurden begründet liegen.

Auf dem Land würden etwas weniger, nämlich 42 Prozent der Jugendlichen gerne einen Ausbildungs-/Arbeitsplatz an ihrem Wohnort finden, 58 Prozent an einem anderen Ort. In der Stadt sind es 51 Prozent an ihrem Wohnort und 49 Prozent an einem anderen Ort, es ist jedoch kein signifikanter Unterschied nachweisbar.

2009 wollten 62 Prozent der Jugendlichen einen Ausbildungsplatz außerhalb ihrer Gemeinde finden. Dabei zeigte sich 2009 ein starker Unterschied zwischen den Geschlechtern: 57 Prozent der männlichen und 67 Prozent der weiblichen Befragten gaben dies an. Diese Unterschiede zeigten sich in der 2018er-Befragung noch einmal verstärkt. 63 Prozent der weiblichen, aber nur 49 Prozent der männlichen Jugendlichen gaben an, einen Ausbildungs-/Arbeitsplatz an einem anderen Ort finden zu wollen.

Insbesondere Schüler*innen der Integrierten Gesamtschule (65 Prozent), des Gymnasiums (61 Prozent) und der Realschule plus (57 Prozent) wünschten sich einen Ausbildungs-/Arbeitsplatz an einem anderen Ort. Bei Hochschülerinnen ist es war hälftig und Schüler*innen der Berufsbildenden Schule/Ausbildung würden überdurchschnittlich stark gerne einen Ausbildungs-/Arbeitsplatz an ihrem Wohnort finden.

Jugendliche wünschten sich mit zunehmendem Alter tendenziell häufiger einen Ausbildungs-/Arbeitsplatz an ihrem Wohnort. Dies kann allerdings daran liegen, dass sie bereits ihren Wohnort gewechselt haben.

 

Jugendfreundlichkeit insgesamt

Mit einem Mittelwert von 3,08 auf einer Skala von 1 bis 6 („sehr gut“ bis „ungenügend“) empfanden die Jugendlichen ihren Ort insgesamt in Bezug auf die Jugendfreundlichkeit „befriedigend“. Jugendliche aus Städten bewerteten ihren Ort etwas jugendfreundlicher als Jugendliche aus ländlichen Regionen.

69 Prozent bewerten die Jugendfreundlichkeit in ihrem Ort eher positiv („sehr gut“, „gut“ und „befriedigend“), 31 Prozent eher negativ („ausreichend“, „mangelhaft“ und „ungenügend“). Dabei fiel die Bewertung der Jüngeren besser aus als die der Älteren. Im Vergleich dazu war 2009 die Kinder- und Jugendfreundlichkeit mit nur 59 Prozent überwiegend positiv bewertet worden. Die Bewertung der jüngeren Befragten fiel damals ebenfalls positiver aus.

Bei bekannten Mitbestimmungsmöglichkeiten wurde der Ort insgesamt als jugendfreundlicher wahrgenommen. Junge Menschen, die ihren Ort als jugendfreundlich empfanden, waren eher bereit sich zu engagieren. Männliche Jugendliche bewerteten ihren Ort tendenziell jugendfreundlicher als weibliche.

Die Einschätzung der Politiker*innen fiel mit einem Mittelwert von 3,02 leicht positiver aus. Männliche Politiker schätzten ihren Ort insgesamt jugendfreundlicher ein als ihre Kolleginnen, dies kann jedoch auch mit der Frage des Mandates zusammenhängen.

 

Miteinander von Jung und Alt

Mit einem Mittelwert von 2,96 auf einer Skala von 1 („sehr gut“) bis 6 („ungenügend“) bewerteten die Jugendlichen ihren Ort insgesamt als „befriedigend“ was das Miteinander von Jung und Alt angeht. Positiv („sehr gut“, „gut“ und „befriedigend“) wurde das Miteinander von 71 Prozent der Jugendlichen bewertet – 2009 waren es mit 56 Prozent noch deutlich weniger.

Die Politiker*innen empfanden das Miteinander von Jung und Alt an ihrem Ort mit einem Mittelwert von 2,62 und einer positiven Bewertung von 84 Prozent („sehr gut“, „gut“ und „befriedigend“) als besser. Männliche Politiker schätzten das Miteinander von Jung und Alt in ihrem Ort positiver ein als ihre Kolleginnen. Die kann ebenfalls mit der Frage des Mandates zusammenhängen.

Jugendliche, die das Miteinander von Jung und Alt besser einschätzten, waren tendenziell auch häufiger in Vereinen/Verbänden aktiv. Junge Menschen, die mit dem Zusammenleben der Generationen zufrieden waren, wollten eher am Wohnort bleiben und dort eine Ausbildung bzw. Arbeit aufnehmen. Unterschiede zwischen Stadt und Land zeigten sich nicht.

 

Was muss sich ändern?

Aus den Ergebnissen der Befragung lassen sich konkrete Bedürfnisse und Wünsche der Jugendlichen in Rheinland-Pfalz ablesen.

 

Jugendlichen Räume geben

Jugendarbeit ist Daseinsvorsorge! Laut § 11 SGB VIII sind jungen Menschen die zur Förderung ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Dies umfasst beispielsweise Angebote der offenen Jugendarbeit, sowie der Jugendverbandsarbeit. Weiter heißt es im SGB VIII „Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden…“ Sind solche Angebote vorhanden sollte auf die Bewerbung dieser und die Niedrigschwelligkeit des Zuganges für Kinder und Jugendliche geachtet werden.

Darüber hinaus brauchen Kinder und Jugendliche auch nicht pädagogisch betreute Räume – wie beispielsweise die viel zitierte beheizte Bushaltestelle mit WLAN oder auch Orte in Parks oder Sportanlagen. Ebenso wie alle Bevölkerungsgruppen haben Jugendliche ein Anrecht auf „öffentlichen Raum“.

Zu guter Letzt brauchen Jugendliche Freiräume. Zeit, die sie unverzweckt, nicht für die Schule, nicht mit Sport oder mit sonstigem „Sinnvollen“ verbringen können.

 

Jugendverbände fördern

Fast 70 Prozent der befragten Jugendliche sind in Jugendverbänden, -gruppen, -initiativen aktiv, insbesondere in ländlicheren Regionen. Viele Jugendliche sind dort sehr häufig und übernehmen mit zunehmendem Alter auch selbst Aufgaben. In Jugendverbänden Aktiven ist die Beteiligung Jugendlicher vor Ort besonders wichtig und sie sind auch überdurchschnittlich oft bereit, selbst bei sich vor Ort zu engagieren. Die Aktivitäten von Jugendverbänden sind daher zu fördern: finanziell, ideell, durch tatkräftige Unterstützung oder auch das zur Verfügung stellen eines Raumes.

 

Mobilität verbessern

Das Thema Mobilität nimmt bei Jugendlichen einen hohen Stellenwert ein, da viele Jugendliche häufig öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Sie bewerten sie allerdings vorwiegend negativ, da sie mit ihnen häufig nicht die Ziele, die sie erreichen möchten oder sie erreichen ihre Ziele nicht zu den Zeiten, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Jüngere Jugendliche bewerten die öffentlichen Verkehrsmittel etwas positiver. Wenn sich aber mit steigendem Alter der eigene Radius erweitert, wird die Bewertung negativer. Die Bewertung in den Städten, in denen der öffentliche Nahverkehr besser ausgebaut ist, fällt positiver aus als im ländlichen Raum. Politiker vermuten erstaunlicher Weise, dass die Jugendlichen die öffentlichen Verkehrsmittel noch negativer bewerten würden. Ein Ausbau was die Routen und Fahrpläne insbesondere im ländlichen Raum, sowie die Kosten angeht, sollte zügig angegangen werden.

 

Beteiligung zielgruppengerecht ausbauen

Fast 90 Prozent der Jugendlichen findet es wichtig, dass sie bei sich im Ort mitbestimmen können. Allerdings konnten nur 27 Prozent der Jugendlichen bejahen, dass es bei ihnen Möglichkeiten zur Mitbestimmung gibt. Selbst wenn man davon ausgeht, dass Mitbestimmungsmöglichkeiten vielleicht nicht immer bekannt sind (das sollte dann dringend geändert werden) ist diese Zahl erschreckend! Wenn Mitbestimmungsmöglichkeiten bekannt waren, wurden diese von den Jugendlichen als befriedigend (Schulnote) bewertet. Im Vergleich zu 2009 hat sich diese Bewertung verbessert. Besonders positiv stimmt, dass knapp 84 Prozent der Jugendlichen potenziell dafür zu gewinnen wären, sich vor Ort einzubringen, wofür sie aktiv werden, möchten sie allerdings selbst entscheiden. Die Bereitschaft sich in ihrem Ort zu engagieren ist insbesondere in ländlichen Regionen ausgeprägt. Respektiert und ernst genommen zu werden ist ihnen besonders wichtig.

 

Wahlalter auf 16 Jahre senken

Über die Hälfte der Jugendlichen spricht sich für das Wahlalter 16 aus. Bei besserer Vorbereitung könnten sich sogar 72 Prozent vorstellen mit 16 Jahren zu wählen. Da an demokratischen Wahlen teilzunehmen die wirksamste Form der Mitbestimmung ist, ist die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre anzustreben. Wie beim Rest der Bevölkerung handelt es sich hierbei um ein Recht, nicht um eine Pflicht.

 

Zum Schluss

Die Ergebnisse des „dorf-tests“ bestärken uns darin, uns weiterhin für die Jugendlichen und ihre Teilhabe an der Gesellschaft sowie für jugendgerechte Beteiligungsprozesse und eine Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre einzusetzen.

Wir bedanken uns bei den Jugendlichen und Politiker*innen, die an der Befragung teilgenommen haben. Aber auch bei allen anderen, die mitgewirkt haben, sei es durch Mitarbeit, Kooperation, finanzielle Unterstützung, Beratung oder Werbung. Herzlichen Dank!